Der Zeichensetzer unserer Zeit
Otmar Alt – Der Rabe im Zentrum der Weltgeschichte

Ein solches Mammut-Projekt hat es in der bildenden Kunst noch nicht gegeben. So außergewöhnlich und so radikal, so breit gefächert, so offen und so ehrlich. Die ART HAUT-RHIN ALSACE zeigt vom 15. bis zum 24. Mai im Salle des Fêtes von Volgelsheim den Bilderzyklus „Der Zeichensetzer unserer Zeit. Otmar Alt – Der Rabe im Zentrum der Weltgeschichte“. Unter diesem Titel erzählt der Künstler Otmar Alt seine Lebensgeschichte.

Dieses Projekt war von Anfang an ein Wagnis. Um es zu einem guten Ende zu bringen war ebenso viel Mut wie Durchhaltevermögen erforderlich. Mehr als drei Jahre Arbeit hat Otmar Alt dieser Selbstvergewisserung gewidmet. 31 Bildtafeln sind dabei entstanden. Alle im stattlichen Format von zwei Metern mal 1,70 Meter.

Der Geschichtenerzähler Otmar Alt erzählt in opulenten Bildern, er fabuliert mit einer Fülle an Details, er verdichtet das Zeitgeschehen aus seiner ganz persönlichen Sichtweise, und er bewertet die Zeitläufte aus einer zutiefst humanistischen Gesinnung. Der Künstler hat damit Neuland betreten. Er bekennt im doppelten Sinne Farbe. Er macht aus seiner Überzeugung keinen Hehl. Er setzt ein Zeichen. Er versteht sich eben als der „Zeichensetzer unserer Zeit“.

Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte hat den Zyklus als ein „Gigantenwerk“ charakterisiert, als es 2009 Jahr in Völklingen unter dem Titel „Otmar Alt – Der Rabe im Zentrum der Weltgeschichte“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Es ist so, als wenn der Künstler am Vorabend seines 70. Geburtstages, sich und der Welt Rechenschaft ablegen will, über das, was er persönlich und künstlerisch geleistet hat, was ihn bewegt und was ihn angetrieben hat. Dafür verknüpft und illustriert der Künstler in seinem Zyklus auf kongeniale Weise seine persönliche Biografie mit der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und herausragenden weltpolitischen Ereignissen.

Otmar Alt folgt dem Konzept seiner bewährten Patchwork-Methode, indem er scheinbar unversöhnliches nebeneinander stellt und kompiliert. Vieles kann der Betrachter wie bei einem Bildrätsel und einem Rebus entschlüsseln, viele Details verbleiben aber als ganz private und persönliche Chiffren im Dunkeln. Wegbegleitern und Freunden, Mitstreitern und Mitarbeitern erweist er seine Referenz, indem er sie in verschiedenen Verkleidungen und Masken, Anspielungen und Assoziationen auftauchen lässt.

Das Rückgrat der Darstellung sind die Stationen im Schaffen des Künstlers. Alle wichtigen Ausstellungen und Schaffensperioden werden zitiert: Von den „Kinguinen“, der Verleihung des Fritz-Roh-Preises und den Puzzlebildern bis hin zum Zyklus der „Innenansichten der Moderne“.

Schatten werfen zum Beispiel das Ende des letzten Weltkrieges im brennenden Berlin, die Stilllegung der Völklinger Hütte 1986 oder die Katastrophe von Tschernobyl. Die historischen Anspielungen schlagen Assoziationen in der Wahrnehmung des Betrachters an. Sie haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Doch die unterschiedlichen Sinnebenen eröffnen beim Betrachter die Hoffnung auf das Licht und den Morgen danach. Die Zeit scheint alle Wunden zu heilen. Die letzte der Bildtafeln trägt exemplarisch den Titel „Morgen ist auch ein Tag“. So folgt etwa dem Mauerbau mit dem „Kaltem Krieg der Supermächte“ und Berlin als zentraler Reibungsfläche auch die Erlösung durch den Fall der Mauer 1989 und der Wiedervereinigung.

Die Tafeln sind in einer unverwechselbaren Bildsprache gestaltet, und sie sind zugleich Ausdruck einer neuen künstlerischen Form, zu der der Künstler mit seiner Arbeit gefunden hat. Selbst das letzte Bild, das dem Tod des Künstlers gewidmet ist und einen geöffneten Sarg zeigt, weist mit vielen weißen Stellen optimistisch in die Zukunft. Dem Selbstverständnis des Künstlers nach kommt es bei allem darauf an, „Mensch zu bleiben“ und alles dafür zu tun, sich durch gute Werke zu bewähren. Hier bekennt sich Otmar Alt in aller Öffentlichkeit als ein überzeugter Freimaurer, der sich „stets strebend bemüht“ und nicht zuletzt durch seine unermüdliche Schaffenskraft ein Vorbild sein möchte.


Die Biografie des Künstlers:

1940 geboren am 17. Juli in Wernigerode
1960-1966 studiert an der Hochschule für bildende Künste zu Berlin als Meisterschüler
von Prof. H. Bachmann
1967-1968 stellt erstmals auf Ausstellungen und in Galerien aus
1967 Franz-Roh-Preis, „Collage 67“
1969 beginnt mit plastischen Arbeiten und Skulpturen
1991 wird die Otmar-Alt-Stiftung in Norddinker bei Hamm gegründet und
wird der Freundeskreis der Otmar-Alt-Stiftung e.V. in Hamm ins Leben gerufen
1994 in den Kreis der „Bürger des Ruhrgebietes“ angenommen
1998 Bundesverdienstkreuz
2005 für seine Verdienste um das Ruhrgebiet in Bochum mit dem
„Steiger Award“ ausgezeichnet
2005 Bild des Ruhrgebietes zur Bewerbung von Essen als Kulturhauptstadt 2010
2009 Ausstellung in Völklingen: „Otmar Alt – Der Rabe im Zentrum der Weltgeschichte“
2010 Ausstellung in Hamm „Der Zeichensetzer unserer Zeit“ dem Künstler zum 70. Geburtstag
Otmar Alt ist verheiratet, er lebt und arbeitet in einem umgebauten Bauernhaus bei Hamm.


Dr. Jörg Bockow
April 2010

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